In den Diskussionen der letzten Jahre gab es ein Schlagwort, das stark in den Vordergrund rückte, und das unsere urdeutsche Qualifikations- und Zeugniskultur um eine – für die meisten momentan noch etwas unberechenbare – Komponente bereichert hat. Gemeint sind die „Soft Skills“ – auf Deutsch die soziale Kompetenz. Darunter wird all das verstanden, was jenseits der fachlichen Qualifikation liegt.

Und schon sind wir mittendrin, im Begriffs-Wirrwarr: Verschiedene deutsche und englische Begriffe werden beliebig synonym und ergänzend eingesetzt und die wenigsten Menschen können diese noch sauber voneinander abgrenzen. Hinzu kommt, dass manche Begriffe in verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen leicht unterschiedliche Bedeutungen haben. Wenn nachfolgende nun einige Abgrenzungen getroffen werden, dann nicht, weil wir Sie für dumm halten, sondern weil wir in unseren Gesprächen mit vielen sehr gebildeten und auf ihrem Gebiet topfitten Menschen festgestellt haben, dass es gar nicht so einfach ist, den stets neu aufkommenden Begrifflichkeiten Herr zu werden. Und manche Begriffe werden leider auch in den Medien immer wieder einmal im falschen Kontext angewandt.

Eine Qualifikation ist die Befähigung sowie der Befähigungsnachweis. Unter Qualifikation versteht man daher eine Ausbildung in einem beliebigen Fachgebiet. Gewöhnlich kann man für eine Qualifikation dann auch einen Nachweis, zum Beispiel in Form eines Zeugnisses oder einer Seminarbescheinigung, erbringen. Natürlich kann man sich auch eine Qualifikation im Selbststudium über Bücher aneignen, allerdings ist die Qualifikation stark an ein fachliches Wissen gebunden und muss daher immer irgendwie erlernt werden.

Kompetenz hingegen bedeutet Fähigkeit. Manche Fähigkeiten werden uns Menschen mit in die Wiege gelegt, andere müssen wir uns erarbeiten, ja richtiggehend erlernen – die ein oder andere eventuell auch im Rahmen eines Seminars. Der große Unterschied zur Qualifikation ist, dass Kompetenzen sehr viel individueller angewandt werden, und dass es hier viel schwieriger ist, unumstößliche Richtlinien für richtig und falsch zu finden. Während es für eine Ausbildung zum Bankkaufmann definierte Lehrpläne und einen definierten Wissenstand gibt, der mit der Prüfung abgefragt wird, kann eine Kompetenz wie zum Beispiel die Kommunikationsfähigkeit nicht in einer vergleichbar strukturierten Form unterrichtet werden. Sehr oft geht es bei den Kompetenzen um zwischenmenschliches – und daher eher um „erfahren“ und „begreifen“ als fachliches Lernen.

Soft Skills ist zu übersetzen mit Sozialkompetenz, doch wir unter Soft Skills leider wesentlich mehr gepackt, als das. Analysefähigkeit beispielsweise gehört zur Methodenkompetenz und Reflexionsfähigkeit sowie Flexibilität sind wesentliche Bestandteile der Selbstkompetenz. Unter dem Begriff der Soft Skills werden also häufig verschiedene Schlüsselkompetenzen zusammengefasst, die für den Berufsalltag als besonders entscheiden angesehen werden. Studien sprechen davon, dass ca. 50 % des beruflichen Erfolgs den Soft Skills geschuldet sind.

Der Begriff der Schlüsselkompetenzen wird leider relativ wahllos verwendet. Selbst Universitäten grenzen hier unsauber ab und zählen Fremdsprachen- sowie EDV-Kenntnisse oder das Wissen um die Bedienung von PowerPoint im Präsentationsmodus zu den Schlüsselkompetenzen. Würde der Begriff Schlüsselqualifikation verwandt, dann wäre dies in Ordnung. Doch zu den Schlüsselkompetenzen zählen eben gerade nicht Ausbildungsfächer, sondern Fähigkeiten, die – egal in welcher Fachrichtung man arbeitet – den eigenen Handlungsspielraum vergrößern und den eigenen Handlungen zu größerem Erfolg verhelfen.

Die Schlüsselkompetenzen sind in Bereiche gegliedert: Sozialkompetenz, Methodenkompetenz und Selbstkompetenz. Jeder Bereich für sich ist faszinierend genug, doch erst im Zusammenspiel ergibt sich eine optimierte Handlungskompetenz. Ein weiterer Kompetenzbereich, der mit der zunehmenden Informationsflut auch immer wichtiger wird, ist die Medienkompetenz. Sie beschreibt den effizienten und sinnvollen Umgang mit Medien aller Art.

Warum sind Schlüsselkompetenzen so wichtig? So traurig das auf den ersten Blick eventuell erscheinen mag: Gute fachliche Qualifikationen werden einfach vorausgesetzt. Bei vergleichbarer fachlicher Eignung entscheidet dann die Persönlichkeit des Bewerbers. Laut einer Umfrage der Deutschen Industrie und Handelskammer bewerten 71 % der Unternehmen Teamfähigkeit als das wichtigste Kriterium bei der Einstellung eines Hochschulabsolventen. Gefolgt von selbständiger Arbeitsweise, Engagement und Kommunikationsfähigkeit. Lücken in den Fachkenntnissen können leichter ausgebügelt werden – so die Idee – als erfolgsverhindernde bzw. kritische Persönlichkeitsmerkmale.

Was bedeutet dies nun für Sie als Bewerber oder Mitarbeiter? Ob es nun um einen neuen Job oder auch nur eine neue Aufgabe innerhalb Ihres Unternehmens geht: Setzen Sie sich (selbst)kritisch mit dem Thema Schlüsselkompetenzen auseinander und prüfen Sie, wo Sie eventuell noch Nachholbedarf haben. Wenn Sie erst Ihren Status Quo kennen und Ihr Ziel definiert haben, können Sie leicht entscheiden, wie Sie sich die fehlenden Fähigkeiten aneignen können.

 

Über die Initiatoren

Meine Schlüsselkompetenzen wurde von Sabine Kierner und Christiane Mohr gegründet. Beide sind seit Jahren als Beraterinnen und Trainerinnen tätig. Im Rahmen ihrer Tätigkeit wurde ihnen bewusst, dass ein umfassendes Angebot im Bereich Schlüsselkompetenzen fehlt. Einige wenige Punkte, wie Kommunikationsfähigkeit oder Teamfähigkeit, werden von zahlreichen Weiterbildungsträgern angeboten, doch nicht weniger wichtige Themen wie beispielsweise Analyse- und Konzeptionsfähigkeit, Lern- und Kreativitätsmethoden oder das spannende Feld der Selbstreflexion und -bestimmung werden sträflich vernachlässigt. Mit „meine Schlüsselkompetenzen“ schließen die beiden diese Lücke.

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